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Stefan Heym - Der König David Bericht

von Peter Rusterholz

Veröffentlicht in:

W. Dietrich / H. Herkommer (Hg.), König David - biblische Schlüsselfigur und europäische Leitgestalt (19. Colloquium der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften), hg. Walter Dietrich, Freiburg/Schweiz 2003, S. 809-830

 

1.     Erstrezeption im Westen  Bedingungen der Entstehung im Osten

Stefan Heym, vor dem Nationalsozialismus nach Amerika emigriert, wegen McCarthys Kampagnen aus Amerika nach Europa zurückgekehrt, hatte sich nach verschiedenen erfolglosen Bemühungen um eine Aufenthaltsbewilligung in anderen Ländern in der DDR niedergelassen. Er hat den König David Bericht vorerst auf Englisch geschrieben, an die Sprache der King-James-Bibel erinnernd, und anschliessend ins Deutsche in eine, oft an die Luther-Bibel gemahnende Sprache übertragen. Die deutsche Ausgabe konnte dann 1972 im Westen, nicht aber im Osten erscheinen. Erst 1973 erschien in London und New York in kleiner Auflage die englische Fassung. Marcel Reich-Ranicki schloss seine am 18. August 1972 in der Wochenzeitung Die Zeit erschienene Kritik des Romans mit der Bemerkung, wie man sehe, könne es sich die DDR nicht leisten, dieses Buch zu veröffentlichen, doch wage sie es immerhin, ein Buch dieser Art für den Westen freizugeben. [1] Ob Reich-Ranicki dieses Buch verstanden hat, ist diskussionswürdig, wie er es verstanden hat aber verrät ganz unmissverständlich der Titel seiner Kritik: König David alias Stalin. Stefan Heyms pseudobiblischer Roman. Auf eine ernsthafte Diskussion über Inhalt und Form des Romans lässt er sich nicht ein, da er die historischen Figuren nur als Masken aktueller Politik betrachtet. Freilich sieht er, seinen eigenen Titel desavouierend, nicht die Abrechnung mit dem Stalinismus im Vordergrund, sondern die Auseinandersetzung mit den Propagandamethoden, mit dem sozialistischen Realismus. Er hält deshalb auch eine Diskussion über die ästhetische Qualität und über die Gattung historischer Roman für sinnlos, da Heym die epische Form lediglich als Verpackung und Vehikel für zeitkritische Befunde verwende und offensichtlich über keine andere Möglichkeit verfügt.

Heinrich Bölls Kritik mit dem Titel Der Lorbeer ist immer noch bitter lobt nicht nur wie Reich-Ranicki den Text als Medium politischer Aufklärung, sondern geniesst sichtlich Phantasie, Witz und Frechheit, mit der Stefan Heym durch die Nähte geschlüpft ist, die der offizielle David-Text hat. Er gesteht, er möchte aus diesem Buch pausenlos zitieren, was man als Zeugnis literarischer Qualität betrachten darf. [2] Er verbindet abschliessend seine lobende literarische Anerkennung Heyms mit dem Tadel der Literaturpolitik der DDR, die das Erscheinen von Heyms Büchern verhindert hat. Dies sei eines Staates unwürdig, der international anerkannt werden möchte, aber seine Literatur, die längst international anerkannt ist, selbst nicht anerkennt.

Heyms David Bericht, gewiss das komplexeste seiner Werke, ist vorerst sehr simplifiziert, reduziert auf eine literaturpolitische Botschaft, wahrgenommen worden. Die Kritiken der genannten Spitzenrepräsentanten dürfen als exemplarische Beispiele westlicher Rezeption verstanden werden. Stefan Heym hat die DDR-Spitze mehrfach an ihrem empfindlichsten Punkt getroffen, ihrem und der Partei Führungsanspruch. Heym hatte am 20. August 1965 vorerst in einer slowakischen Kulturzeitschrift, dann in je einer Zeitschrift der französischen und italienischen Kommunisten einen Aufsatz veröffentlicht, dessen autorisierte deutsche Fassung schliesslich nicht in der DDR, wohl aber am 25. Oktober 1965 in der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit mit der Überschrift Die Langeweile von Minsk erschien. Darin heisst es: Jedes Zeitalter hat seine Sprecher, die die Ängste und Hoffnungen der Menschen zum Ausdruck bringen. Im grauen Altertum waren das die Propheten. Heute in der Ära des Atoms und der Revolutionen [Ö] scheinen Schriftsteller und Naturwissenschaftler diese Funktion zu übernehmen. [3] Das elfte Plenum des Zentralkomitees der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands befasste sich im Dezember 1965 ausschliesslich mit der als kritisch betrachteten Lage im Kulturbereich. Mit Bezug auf den zitierten Artikel unterstellte Honecker Heym die Behauptung, daß nicht die Arbeiterklasse, sondern nur die Schriftsteller und Wissenschaftler zur Führung der neuen Gesellschaft berufen seien. [4] Die Zeit der Entstehung des David Berichts (1969-1971) ist keine günstige Phase der Kulturpolitik der DDR gewesen. Es waren die letzten Jahre der Ära Ulbrichts. Im Mai 1969 wurden auf dem VI. Schriftstellerkongress Christa Wolf und Reiner Kunze angegriffen, und selbst der Roman des parteifrommen Hermann Kant, Die Maßnahme, der ein überaus positives Bild der DDR zeichnet und nur wenige höchst behutsame kritische Anmerkungen enthält, lag zwar 1969 schon vor, durfte aber erst 1972 nach der Übernahme der Macht durch Honecker erscheinen. [5] Zwischen 1971 und 1975 erfolgte zwar eine begrenzte Abkehr von alten Tabus, die es möglich machte, dass drei Bücher Heyms  Die Schmähschrift, Lasalle und Der König David Bericht  nun in kurzer Folge erscheinen konnten. Wie wenig geschätzt Heym in offiziellen Kreisen aber auch in dieser Zeit war, bezeugt die Tatsache, dass in dem die offizielle literaturwissenschaftliche Parteilinie vertretenden Band Literatur und Geschichtsbewußtsein. Entwicklungstendenzen der DDR-Literatur in den sechziger und siebziger Jahren (Berlin und Weimar 1976) Stefan Heym überhaupt nicht vorkommt. [6] Er wird wie Ethan im David Bericht totgeschwiegen. Wie aber sieht die westliche Germanistik den König David Bericht?

2.     Literaturwissenschaftliche Annäherungen 1976-1999

Michael Schädlichs Notizen zu Stefan Heyms Roman Der König David Bericht betrachten den Text unter den je verschiedenen Gesichtspunkten des Reportageromans, der Parodie des biblischen Berichts, der Selbstparodie und des historischen Romans. [7] Schädlich interessiert vor allem das allgemeinere und moralisch-politische Ziel, das Heym verfolgt, und seine literarische Gestaltung. [8] Er versteht den Text im Gegensatz zu Thomas Manns Joseph-Romanen nicht als Neuinterpretation und psychologische Analyse des Mythos. Er betrachtet Heyms Darstellung der biblischen Geschichte als theologische Verbrämung, um nicht zu sagen ideologische Verfälschung des wirklichen Geschehens. [9] Die im Text wahrgenommene Theologiekritik wird als Modellfall der Ideologiekritik verstanden, eine Ideologiekritik, die sich auf die Kritik der Erwerbung und der Geschichtsschreibung von Macht und auf die Rolle des Intellektuellen in diesem Prozess bezieht. Dass der Germanist die gründliche historische und theologische Kritik jenen anderen Disziplinen überlassen will, ist eher verständlich als die Tatsache, dass auch seine literaturwissenschaftlichen Überlegungen lückenhaft bleiben. Wie verhalten sich der Reportageroman und seine Parodien zum historischen Roman, wie ist die von Schädlich festgestellte unterschiedliche Stilqualität des Textes  Schädlich spricht von reißerischen Zügen und von Stellen, die ins Dichterische reichen [10]  schlussendlich präziser zu begründen und zu werten? Diese Fragen bleiben offen, angesichts der kümmerlichen Forschungslage aber ist es schon ein Verdienst, sie provoziert zu haben.

Wesentlich gründlicher, aber mit schon durch den Titel angezeigter Beschränkung des Themas analysiert Peter Hutchinson Heyms Bericht als exemplarisches Beispiel der Probleme sozialistischer Historiographie. [11] Hutchinson sieht wie früher Reich-Ranicki als major parallel of the novel  that of King David with Joseph Stalin. [12] Immerhin relativiert er diese grob simplifizierende Gleichung mit dem Hinweis, dass David manchmal eher an Lenin erinnere oder Züge von Chruschtschow trage, und meint schliesslich, es handle sich doch eher um symbolische als um allegorische Entsprechungen.  Anspielungen auf zeitgenössische Probleme und Figuren sind gewiss nicht zu übersehen. Erzwungene Geständnisse und vorschriftsgemäss funktionierende Zeugen erinnern an Stalins Schauprozesse, Salomons Minenarbeiter an sibirische Straflager, wunderbare Leistungen im offiziellen Titel des Berichts an die in der stalinistischen Ära übliche Bezeichnung für militärische und wirtschaftliche Fortschritte, Davids Dialog mit Joab im zwölften Kapitel des David Berichts schliesslich verwendet den berühmten Ausspruch Trotzkis vom Kehrichthaufen der Geschichte. [13] Von grösster Bedeutung aber für das Problem der Historiographie ist die Nähe der im Bericht formulierten Aufgabe der Kommission, für die Ethan arbeitet, zur Funktion der Geschichtswissenschaft in der DDR. Josaphat ben Ahilud im David Bericht meint: Unsere Aufgabe ist es, die Größe unseres Zeitalters zu widerspiegeln, indem wir einen glücklichen Mittelweg wählen zwischen dem, was ist, und dem, was die Menschen glauben sollen. [14] Das Zentralkomitee der SED bestimmte die Funktion der Geschichtswissenschaft mit den Worten: Durch gründliche wissenschaftliche Arbeiten und durch Verbreitung richtiger historischer Erkenntnisse den Massen unseres Volkes den Weg zum Sieg über seine Feinde [&] zu weisen  darin besteht die Hauptaufgabe der deutschen Geschichtswissenschaft. [15] Hutchinsons Artikel ist in gekürzter Form in seine ursprünglich in englischer Sprache erschienene Gesamtdarstellung Stefan Heyms aufgenommen worden und erschien in revidierter deutscher Übersetzung 1999 in seinem Band Stefan Heym: Dissident auf Lebenszeit. [16] Hutchinson verweist auf eine zur Zeit der Genese und der Erstpublikation wichtige Bedeutungsdimension des Texts, argumentiert nicht so vereinfachend in bezug auf die Allusionen an den Stalinismus wie Reich-Ranicki, bleibt aber unklar in bezug auf die Unterscheidung allegorischer und symbolischer Bezüge.

Die umfangreichste im Druck vorliegende Abhandlung über den Bericht von Christiane Bohnert interpretiert den Text nicht als Schlüsselroman, wie Reich-Ranicki und nach ihm viele andere es getan haben, und reduziert ihn auch nicht auf seine Bedeutung als Kritik parteiamtlicher Historiographie. Sie versucht, den Roman in seinem doppelten Bezug auf die biblische Geschichte und die aktuelle Gegenwart zu lesen, sieht sein Wirkungspotential und auch das Ärgernis, das er Marxisten wie Christen bedeuten kann, in der Gattung Satire begründet. Der Roman wäre dann eine Doppelsatire, eine Satire auf die Bibel wie auf den Marxismus, die biblischen Stoffe nicht nur Masken aktueller Probleme, die marxistische Problematik durchaus auch Herausforderung für die Christen. Die radikale Satire stellt die verkehrte Welt dar, eine Welt des Normbruchs, die nur indirekt durch die Übertreibung des Falschen und Perversen ihr utopisches Gegenbild evoziert. Der Eunuch Salomos, Amenoteph, ist in diesem Sinne wohl am ausgeprägtesten satirische Figur, für den Glauben wie für das Denken verloren. Seit ihm die Hoden zermalmt wurden, glaubt er an keinen Gott, heiße er Jahwe oder Ra. [17] Auf die Versöhnung von Ideal und Wirklichkeit verzichtet er zum vornherein. Er erwidert Ethan, der auf die Lehren der weisen Richter und Propheten verweist, die man befolgen solle, dass das Denken der Menschen wie auch ihre Zunge sonderbar zwiegespalten sei. In absolutem Gegensatz zu Ethan, der unter diesem Zwiespalt leidet, lobt er ihn:

Gepriesen sei dieser Zwiespalt des Geistes, denn durch ihn kann der Mensch tun, was die Gesetze der wirklichen Welt erfordern, ohne deshalb den schönen Glauben an die Lehren der Weisen und Richter und Propheten aufgeben zu müssen; und nur jene enden in Verzweiflung, die in Erkenntnis des großen Zwiespalts sich vornehmen, die Wirklichkeit den Lehren anzupassen. Denn es gibt keinen Weg zurück zu dem Garten Eden, von dem ich in euren Büchern gelesen habe. [18]

Dies trifft wirklich, wie Ethan sofort erkennt, auch das Herz der Sache in bezug auf seine Arbeit am David Bericht und die ihn betreffenden Gedanken: Auch mein Denken ist ständig gespalten, indem ich eines weiß und ein anderes sage, oder zu sagen suche, was ich weiß, oder sage, was ich nicht denke, oder denke, was ich nicht sage, oder sagen möchte, was ich nicht denken soll, oder wissen möchte, was ich nie sagen darf, klagt Ethan. [19] Amenoteph schlägt darauf Ethan seine eigene Lösung vor: Vielleicht wäre es ratsam, Ethan, du kastriertest dein Denken. Kastration schmerzt nur einmal; danach aber fühlt man sich um so besser: ruhig, beinahe glücklich. Und vergiß nicht die große Anzahl von Leuten, die nie einen mannhaften Gedanken hatten. [20] Amenoteph ist die Inkarnation der satirischen Figur, indem er die Negation der Utopie zum Idealzustand, die verkehrte Welt zur richtigen erklärt. Auf ihn lässt sich das Satiremodell bruchlos beziehen. An Ethan aber zeigen sich die Grenzen dieses Modells. Ethan ist weder eine ungebrochen satirische Figur, noch vertritt er ungebrochen eine christliche oder marxistische Utopie. Er versucht verzweifelt, das Richtige im Falschen zu leben, und ist insofern, als er schlussendlich die Gründe seines Scheiterns erkennt, weder eine satirische noch eine utopische, sondern eine tragische Figur. Freilich bleibt die Frage, welche Position er einnehme, ob er sowohl im theologischen wie im marxistischen Bereich der Rechtdenkende und schlechthin Wissende und ob er in seiner Funktion als Erzähler wirklich Herr der Erzählung und damit auch Subjekt der Lenkung des Lesers sei. Während Salomon wie sein Sklave Amenoteph zweifellos als satirische Figur betrachtet werden kann, ist die Frage nach dem Bild der zentralen Figur Davids nicht so leicht zu beantworten. Die Antwort ist in engstem Zusammenhang mit der Frage nach der Funktion des Erzählers zu sehen, der den Perspektivismus des Textes bestimmt. Ausser Christiane Bohnert hat sich in den gedruckt vorliegenden Texten bisher niemand mit dieser Frage beschäftigt. Bohnerts Argumentation aber halte ich für fragwürdig und widersprüchlich. Ohne Zweifel betrachtet sie Ethan als allwissenden auktorialen Ich-Erzähler, wenn sie sagt:

Der Leser durchschaut nicht, [Ö] was Ethan nicht durchschaut, aber wie Ethan kann er einordnen, was er durch Ethans Brille sieht. Verdeckt wird dieser exklusive Bezug auf Ethan durch die häufigen Dialogpartien, die Zeugenbefragungen und die fiktiven Zitate aus Archiven, in denen alle beteiligten Personen scheinbar authentisch vor den Leser hintreten. Ethan schreibt insofern den eigentlichen Einzig Wahren und Autoritativen Bericht über David und Salomo, in dem statt auf Mythen auf Fakten rekurriert wird [Ö]. [21]

Sie kommt schliesslich zu dem bedenklichen Schluss: Der Zielsetzung der Satire entsprechend ist der König David Bericht kein Gegenstand der Interpretation, sondern eher der Rekonstruktion. [22] Nun besteht kein Zweifel, dass besonders im ersten Teil des Buches und in bezug auf theologische Probleme der Auslegung Stellen beigebracht werden können, die diese These belegen. Würde sie aber den Text als Ganzes treffen, stünde dessen literarische Qualität in Frage, würde er doch zum ideologischen Text, der den Lesenden nur Decodierung, aber keine Sinnkonstitution ermöglichte.

3.     Kritische Würdigung von theologischer Seite: Walter Dietrich 1976

Die bisher zweifellos anregendste kritische Würdigung von Heyms Bericht stammt von dem Alttestamentler Walter Dietrich. Der schon 1976 erschienene Aufsatz ist in keiner Bibliographie der Germanistik verzeichnet, nicht einmal in dem jede literaturkritische Rezension verzeichnenden Kritischen Lexikon der Gegenwartsliteratur. Mit Ausnahme von Christiane Bohnert und der unter meiner Leitung entstandenen Lizentiatsarbeit von Beatrice Blumenstein ist er von der Literaturwissenschaft zu ihrem Nachteil nicht zur Kenntnis genommen worden. [23] Es ist ebenso verständlich wie erfreulich, dass der Theologe trotz wohlbegründeter Bedenken diesen Text nicht nur für den an politischen Fragen Interessierten, sondern auch für den Theologen und den an biblischen Problemen interessierten Laien für anregend und diskussionswürdig hält. Er anerkennt Heyms Kunst anschaulicher Darstellung, die Bildlichkeit der Sprache, ihre Konkretion und Sinnlichkeit, die szenische Vergegenwärtigung der biblischen Welt trotz einiger Freiheiten und dem gelegentlich wenig skrupulösen Umgang mit Verfasserfragen (Hohes Lied, Psalmen). Als fruchtbarstes Problem aber, das der Text Heyms dem Theologen stelle, nennt Dietrich die Frage, ob nicht die bei uns übliche alttestamentliche Exegese, ungeachtet ihres feinen Instrumentariums, in der Gefahr steht, bestimmte, dem Ideologieverdacht unterliegende Wertvorstellungen in die Bibeltexte einzutragen oder sie sich von ihnen bestätigen zu lassen. [24] Dies leuchtet um so eher ein, wenn man sich die Eigenart alttestamentlicher Geschichtsschreibung überlegt und ihre Freiheiten, mit überlieferten Sachverhalten umzugehen und sie auf die Gegenwart, respektive das Gegenwartsinteresse der Schreibenden und ihrer Zeitgenossen zu beziehen, bewusst macht. [25] Dietrich betont in diesem Zusammenhang die Qualität Heyms, nicht nur mit ausserordentlicher Frische und Brillanz Charaktere zu zeichnen, sondern zu zeigen, wie sie ihre Umwelt prägen und von ihr geprägt sind. Dass er dies tut und wie er dies tut, sagt Dietrich, verrät seinen marxistischen Denkansatz. [26] Nun ist Stefan Heym gewiss auch heute noch erklärter Marxist. Dass die Art und Weise seines Schreibens in diesem, nicht in jedem Text von Heym, ebenso gut auf einen durch nichtmarxistische Sozialphilosophie oder interaktionistische Soziologie geprägten Autor bezogen werden könnte, dass keine ideologische Phrase darin zu finden ist, halte ich für eine besondere Qualität dieses Texts. Kritischer steht der Theologe einigen Kühnheiten der Auslegung gegenüber, die sich Heym leistet, und er fragt sich, welche Absicht er damit verfolge.

Als erstes Beispiel nennt er das Problem der Erstbegegnung Sauls und Davids, respektive das Problem, ob die Erzählung von Davids Berufung an den Hof Sauls und die Legende oder Sage von David und Goliat nebeneinander Platz hätten und in welcher Reihenfolge. Im König David Bericht spricht der Heerführer Benaja ein Machtwort und schlägt vor, einen Zusatz einzuführen, um den Sänger Sauls wieder als Hirten nach Bethlehem zurückzubringen: Aber David ging wiederum von Saul, daß er die Schafe seines Vaters hütete zu Bethlehem. Der nicht Bibelkundige könnte nun meinen, die Kühnheit bestehe in der Einfügung. Sie ist aber durchaus biblisch (1Sam 17,15) und auch von modernen Kommentaren als spätere Einfügung zur Verbindung dieser Texte bezeichnet worden. [27] Die Kühnheit besteht darin, dass Heym diese Zufügung Benaja andichtet, wovon der wissenschaftliche Kommentar nichts weiss. Das Beispiel zeigt aber auch, wie raffiniert Heym wissenschaftliche Kenntnis und Fiktion verbindet. Auch der Zweifel an der Goliat-Geschichte ist nicht allzu kühn. Die Sage wird zwar im Bericht nur von drei zweifelhaften volkstümlichen Barden bezeugt, in den Heeresberichten aber sei sie nicht dokumentiert, bekundet Benaja, und deshalb meint Ethan, falls sich die Geschichte eines Tages als fromme Mär erweisen sollte, wäre Benaja jedenfalls unschuldig. In diesem Zusammenhang wird später dann auch der Name Elkanan genannt, den moderne Kommentare als historischen Sieger über Goliat betrachten. [28] Auch hier ist die Fiktion, der Auftritt der Barden, mit Indizien verbunden, die sorgfältige Information über die prekäre Textgenese der Goliat-Geschichte verraten. Die auch für die historische Forschung schwer zu beantwortende Frage, ob David, nachdem er auf der Flucht vor Saul zu den Philistern übergelaufen ist, als Vasall des Philisterkönigs Achisch von Gat Mord- und Raubzüge nur gegen Negevnomaden unternommen hätte oder auch gegen Stämme des eigenen Volks, wird im Bericht Heyms sehr zweideutig dargestellt. Benaja plädiert eindeutig dafür, David hätte sich gegen den eigenen Stamm gewendet. [29] Ethan aber sagt in einer Stilart, die gewöhnlich die Lüge verrät: Wenn der König und meine Herren gestatten [Ö], so möchte ich versuchen, darzulegen, wie wir bei der Darstellung der doch recht verschlungenen Wege, die der Erwählte des Herrn gewandelt, mit Diskretion verfahren können. Er sagt darauf, dass David auf die Frage des Königs Achisch selber zugegeben hätte, dass er im Süden von Juda geplündert habe. Aber das beweise angesichts der Situation Davids nichts, und da es ohnehin keine Zeugen gebe, stellt er die seine Stellungnahme abschliessende Frage: Wäre es daher nicht gerechtfertigt, in unserem Text anzudeuten, daß David seine Raubzüge eher gegen die feindlichen Stämme in Geschur oder Geser oder Amalek richtete, denn gegen sein eigenes Volk Juda? [30] Auch hier ist eine Fiktion dem Urteil der Forschung sehr nahe. Silvia Schroer spricht vom raffinierten Doppelspiel Davids:

Während David sich so in Juda als starker Schild gegen Übergriffe der Negevnomaden beliebt machte, gibt er seinem gatischen Herrn an, er habe Raubzüge in Südjuda bzw. gegen nomadische Clans, die mit Juda verbündet sind, wie die Jerachmeeliter und die JHWH-gläubigen Keniter, unternommen. Da er bei diesen Beutezügen keine Zeugen am Leben lässt, ist Achisch im guten Glauben, dass sein Vasall im Interesse der Philister das verhasste eigene Volk bekämpfe. Sein Vertrauen geht soweit, dass er David als persönlichen Leibwächter in den Kampf gegen Israel mitnehmen will (1Sam 28,1-2). [31]

Etwas kühner behandelt Heym die zweimalige Verschonung Sauls durch David (1Sam 24,26). Ethan behauptet, hier handle es sich nicht um Geschichten, die das Volk erfunden hätte, sondern David selbst hätte sie Josaphat, dem Kanzler, berichtet, allerdings sei dies durch die königlichen Archive nicht zu belegen. Mit guten Gründen darf behauptet werden, dass der Erzähler der Aufstiegsgeschichte die beiden Geschichten planvoll parallel und die Rechtschaffenheit Davids betonend ausgestaltet, nicht aber, dass David sie selbst berichtet hätte. [32] Dietrich erwähnt als weitere Kühnheit, dass Heyms Text Ethan über Josaphat berichten lässt, David persönlich hätte die Ermordung der Nachkommen Sauls durch die Einwohner Gibeons veranlasst und sich die Erklärung, dass dadurch eine Hungersnot verhindert würde, als Alibi ausgedacht. [33] Natürlich sind das recht saloppe Formulierungen und Vereinfachungen der Motive. Die Wahrscheinlichkeit, dass David aber eine Blutschuld Sauls gegenüber den Gibeoniten zur Zeit einer dreijährigen Hungersnot ausgenützt haben könnte, um einen Teil der Sauliden aus dem Weg zu schaffen, wird auch durch wissenschaftliche Kommentare gestützt. [34] Fragwürdig, ja wohl eher nicht zutreffend im Lichte neuerer Forschung ist allerdings die eindeutige Stellungnahme für eine der beiden in den Samuelbüchern gegebenen Varianten vom Tode Sauls. Nach der einen stürzt er sich selbst ins Schwert (1Sam 31,1-7), nach der anderen wurde er von einem jungen Amalekiter getötet. Heym stellt die Geschichte so dar, dass die zweite Möglichkeit als historisch zutreffend erscheint, die erste, die eine denkbare Beteiligung Davids am Tod seines Gegners ausschliessen würde, aber als falsch deklariert wird. Hier tendiert die historische Forschung eher zur ersten Variante und hält den jungen Amalekiter für einen Leichenräuber, für einen finsteren Gesellen. [35]

Insgesamt aber sind Heyms Fiktionen der historischen Forschung näher als man wegen der kühnen Erfindungen von Quellen- und Autorzuschreibungen denken könnte. Dietrich schliesst eine Revue philologischer Kühnheiten Heyms mit der Hoffnung ab, dass Heym sich darüber im klaren gewesen sei, dass er nicht mit allen seinen Exegesen oder auch Eisegesen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit und historische Sicherheit würde erheben können, und stellt darauf die Frage: Welche Absicht aber steht dann hinter seinen Kühnheiten? [36]

Dass die Texte von Schriftstellern und Dichtern keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit und historische Sicherheit erheben können, scheint mir nun allerdings völlig selbstverständlich. Selbst wenn der Dichter sich aristotelischer Poetik verpflichtet weiss, wird von ihm im Gegensatz zum Geschichtsschreiber nicht Tatsachenwahrheit erwartet, sondern bestenfalls die Darstellung von Möglichkeiten, was Menschen allenfalls getan haben könnten. Freilich ist klar, dass sich Heym nicht für die Glaubenswahrheiten des Theologen, sondern für deren Entmythologisierung und Konzentration auf allfällige historische Möglichkeiten interessiert und diese spekulativ in poetische Fiktionen umsetzt, und dies nicht ohne Berücksichtigung aktueller Probleme. Zwar kann er die neueren Kommentare, die ich benutzte, bei der Konzeption des David Berichts nicht gekannt haben, um so verwunderlicher scheint es, wie nahe seine Spekulationen der neueren Forschung doch oft kommen. Dies ist wohl im Zusammenhang mit der aktuellen Tendenz zu sehen, den Anfang alttestamentlicher Geschichtsschreibung nicht mehr als theologische, sondern als politische Geschichtsschreibung zu betrachten und die prosalomonische Interpretation der Thronfolgeerzählung als unhaltbar zu erklären. [37] Aus mir schwer verständlichen Gründen haben bisher weder Germanisten noch Theologen sich um den wissenschaftlichen Berater von Stefan Heym gekümmert, obgleich er ihn in einer nicht zu übersehenden Dankadresse vor dem David Bericht für seine guten und hilfreichen Vorschläge lobt. [38] Es handelt sich um Dr. Walter Beltz, damals wissenschaftlicher Mitarbeiter, heute Professor für Orientalistik und Religionsgeschichte an der Universität Halle. Er hat 1975 erstmals ein Buch mit dem Titel Gott und die Götter. Biblische Mythologie veröffentlicht, dessen Konzept und Art und Weise, die biblischen Geschichten zu betrachten, auch für das Verständnis des David Berichts wichtig sind. Beltz begründet sein Unternehmen mit der These, die biblischen Mythen seien so zu sehen wie die Mythen der griechisch-römischen Geschichte und deshalb unabdingbare Quellen zum Verständnis der Weltkultur. Er unterscheidet die Aufgaben einer biblischen Theologie deutlich von den Aufgaben seiner biblischen Mythologie:

Kein unbefangener Leser der Bibel kann heute noch die biblische Verflechtung von Mythos, Geschichte und deren Deutung auflösen und zwischen dem ursprünglichen Mythos und seiner biblischen Interpretation unterscheiden, wobei die Erklärung dieser Interpretation  nämlich die Funktion, die in der Bibel dem Mythos zugeschrieben wird  die Aufgabe einer biblischen Theologie ist. Eine biblische Mythologie aber wird sich der Darstellung und Erklärung des Mythos selber zuwenden, der im Historischen liegenden, nichtwissenschaftlichen Vorstellungswelt von Kosmos, Mensch und Gesellschaft. [39]

Es ist dies ein trotz seiner gut dreihundert Seiten allgemeinverständliches, knapp zusammenfassendes Buch, das in dem Kapitel Die Königslegenden die für den Bericht wichtigen Bibeltexte zusammenfasst und geschichtlichen Gehalt und Sinndeutung kommentiert. Die Darstellung dürfte wesentlich knapper sein als die ausführlichere und detailliertere Beratung Heyms durch Beltz, die noch durch gemeinsame Studien der Kautzschen Textbibel ergänzt wurde. In der Einstellung zur biblischen Mythologie vertreten sie aber übereinstimmende Positionen eines nicht religiösen, wohl aber menschlich-kulturellen und poetischen Verständnisses, ebenso in der Tendenz, die Veränderungen des Gottesbildes im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen zu sehen.

Aus diesen und aus später zu belegenden literaturwissenschaftlichen Gründen halte ich Dietrichs Antwort auf seine Frage, welche Absicht hinter Heyms Kühnheiten der Auslegung stünde, für zu eng. Er meint nämlich,

um dieses Bild zu gewinnen, das Bild eines Mannes, der nicht, wie Salomo ein kleiner Halsabschneider ist, sondern ein grosser Mörder, der sich als Erwählter Gottes weiß und darüber zum Despot (!) wird [...], um das Bild eines solchen Mannes zeichnen zu können, greift Heym nach den biblischen Berichten über David und gestaltet sie, wo sie sich seiner Absicht nicht fügen, neu. [40]

Die Tendenz zur Entmythologisierung ist gewiss unverkennbar. Für unverkennbar halte ich aber auch die Faszination Heyms für diese Figur und die Faszination Heyms für die Entwicklungen der Konflikte von Davids Zeit.

4.  Der König David Bericht  Historisches Dokument oder literarischer Text von bleibender Bedeutung?

Stefan Heyms Intentionen und Schreibanlass lassen sich jedenfalls nicht auf die satirische Destruktion einer biblischen Heldenfigur reduzieren. Freilich werden wir uns anschliessend fragen müssen, ob er seine Intentionen erreicht oder verfehlt habe. In seinem autobiographischen Werk Nachruf nennt er den Anlass, der ihn zur Bibel greifen liess, eine der verzweifelten Nächte unmittelbar nach dem Tod seiner Frau. Er öffnet den Band zufällig an der Stelle 1Sam 16, wo Samuel zu Jesse kommt und schliesslich seinen jüngsten Sohn David salbt. Heym hat seine Autobiographie fast durchwegs in der Er-Form gestaltet und spricht üblicherweise von sich als er und S.H. An dieser bedeutungsschweren Stelle aber wechselt er in die Ich-Form und erzählt: Ich habe mich mehr als einmal gefragt, wessen Hand hier im Spiel war; S.H. hätte ja ebenso gut das Buch Esther aufschlagen können oder Hiob, und der Rest seines Lebens wäre anders verlaufen. [41]

Die folgenden Zeilen bezeugen die Begeisterung für Davids Leben, ja noch weit mehr. Denn nach Ausdrücken der Begeisterung für den Roman dieses Lebens kommt es zu dem folgenden Geständnis:

Und dann wieder frage ich mich, wie das Hirn dieses S.H. konstruiert sein muß, daß er, das Herz voll Trauer und Schwermut, gleichzeitig sein literarisches Gewerbe betreiben kann. Und ich gestehe, ich fühlte mich wohler heute, moralisch, hätte S.H. sich müde gelesen in jener Nacht an I. und II. Samuel und wäre eingeschlafen in dem Bewußtsein, daß vielleicht doch ein Gott lebt irgendwo, der die Gerechten in seinen Schoß nimmt; oder war das Nachdenken des S.H. über die Story des König David, und wie man sie erzählen könnte, und was in Wahrheit dahinter stecken möchte, einfach seine Art, sich bei Sinn und Verstand zu halten? [42]

Die Bedeutung des David Bericht als historisches Dokument der Kulturpolitik der DDR und als Beispiel von Schreibweisen, die eine solche Politik fördert, ist unbestritten. Der Text kann auch als parabolische Gestaltung der Konflikte einer wissenschaftlichen Historiographie mit der Staatsmacht gelesen werden, ebenso in doppelter Funktion als Bibelsatire wie als Satire auf den totalitären Staat. Allerdings erfassen diese Leseweisen den Text nicht in seiner Fülle und Differenziertheit, nicht in der anfangs eingeschränkten, schliesslich aber ständig zunehmenden Fülle seines Bedeutungspotentials.

Allein schon der doppelte Bezug zur biblischen und zur zeitgenössischen Welt verhindert eine allzu einfache Rezeption. Die biblischen Szenen sind nicht nur ihren archaischen Handlungen entsprechend historisierend inszeniert, sondern auch moderner Psychologie entsprechend motiviert. In ständigem Wechsel von distanzierten Berichtformen, verschiedenen Sorten historischer Quellenfiktionen, Interviews und dem Übergang der Erzählformen vom narrativen zum dramatischen Modus erfahren die Lesenden den ständigen Wechsel von Identifikation und Verfremdung, der sie schliesslich zu eigenem Urteil zwingt. Allerdings drängt sich die kritische Frage auf: Beherrscht nicht letzten Endes Ethan als auktorialer Ich-Erzähler doch den Text und seine Bedeutungsbildung? Als Beleg könnte man Ethans Beurteilung seines Auftrags und sein David-Bild im ersten Kapitel zitieren:

Mit einigem Glück und mit der Hilfe unseres HErrn Jahweh mochte es mir sogar gelingen, ein Wörtchen hier und eine Zeile dort in den König-David-Bericht einzufügen, aus denen spätere Generationen ersehen würden, was wirklich in diesen Jahren geschah und welch ein Mensch David, Jesses Sohn, gewesen: der zu ein und derselben Zeit einem König und des Königs Sohn und des Königs Tochter als Hure diente, der als Söldling gegen sein eignes Volk focht, der den eignen Sohn töten und seine treuesten Diener umbringen ließ, ihren Tod aber laut beweinte, und der einen Haufen elender Bauern und widerspenstiger Nomaden zu einem Volk zusammenschmiedete. [43]

Als Gegenbild liesse sich das David-Bild zitieren, das Ethan auf die Frage Michals Was weisst Du von David? entwickelt:

Ausgenommen den jetzigen Inhaber des Throns, Salomo, war David unstreitig der bedeutendste Mann in Juda und Israel, der Erwählte des HErrn, unsres Gottes, welcher einen Bund schloß mit David und Davids Feinde schlug und alle seine Hasser zuschanden werden ließ, und welcher ferner versprach, daß Davids Samen sollte ewig währen. [44]

Die verschiedenen Gespräche und Interviews mit Michal, zweifellos die psychologisch schwierigste und raffinierteste, hochdifferenzierte Figur in diesem Text, widerlegen sowohl das erste radikal negative wie das letztzitierte rein positive Bild. Die entscheidende Stelle der Fortsetzung der zweiten Aussage der Prinzessin lautet:

Er hat so viele Gesichter. Ich gebe zu, das macht es schwer, ihn zu ergründen. Mein Bruder Jonathan und ich haben häufig darüber gesprochen. Wir kamen einander sehr nahe in jenen Tagen. Oft ritten wir aus vom Haus des Königs zu Gibea bis zu den roten Felsen und stiegen hinauf, Ausschau zu halten über das Land, als könnte ein Zeichen vom ihm kommen, ein Rauchzeichen über den Bergen. Aber da war nichts, nur die Geier kreisten. Und Jonathan sprach zu mir von dem Bund, den er mit David geschlossen, da er ihn liebte wie seine eigne Seele; und dass David der Erwählte des HErrn sei; und wie David ihm geschworen habe, allzeit seiner Kinder Hüter und Beschützer zu sein um ihrer großen Freundschaft und ihres Bundes willen. Aber wie ists mit dem Königreich, fragte ich; wirst du denn nicht König sein, mein Bruder Jonathan?

Die Prinzessin erhob sich und schritt auf und ab. Ihre Füße in den offenen Sandalen waren von bemerkenswerter Schönheit.

Und Jonathan sagte zu mir: Um zu herrschen, darfst du nur ein Ziel sehen  die Macht. Darfst du nur einen Menschen lieben  dich selbst. Sogar dein Gott muß ausschließlich dein Gott sein, der ein jedes deiner Verbrechen rechtfertigt und es mit seinem heiligen Namen deckt.

Die Prinzessin blieb stehen und sah mich an.

Beachte, Ethan: all das wußte Jonathan, und doch liebte er David. Die Geier hingen am Himmel. Dann schoß einer herab. Ich fragte: Weißt du, wo David sich aufhält? Und Jonathan erwiderte: Er ist in der Höhle Adullam, und seine Brüder und seine ganze Sippe kamen zu ihm daselbst, und allerlei Männer, die in Not sind, und die verschuldet sind, und viele Unzufriedene, zusammen etwa vierhundert Mann, und er ist ihr Anführer. Und ich sah David, meinen Gatten, wie er aus der Höhle Adullam hervortrat an der Spitze seiner Bande, ich sah sein gebräuntes Gesicht und den geschmeidigen Leib, und ich sprach zu meinem Bruder Jonathan: Sei er ein Viehdieb oder ein Wegelagerer, es ist ein Verlangen in mir, und ich will zu ihm. [45]

In der Tat versteht es Michal, die in ihrer Liebe zu David immer wieder enttäuschte und missbrauchte Tochter Sauls, die schillernde Figur Davids mit allen menschlichen und künstlerischen Qualitäten und allen Schattenseiten des Machtpolitikers zu zeichnen und sowohl das Bild idealisierender Konvention, wie der Hof Salomons es fordert, als auch das radikale Vorurteil, mit dem Ethan beginnt, zu zerstören. Michal ist zwar die wichtigste, aber nicht die einzige Figur, die das David-Bild differenziert. Selbst Nathan, der Prophet, sonst in korrumpiertem Zustand gezeichnet, erscheint ganz am Schluss in einem vorübergehenden Zustand der Erkenntnis und der Wahrheit und bemüht sich, Ethan die Differenz zwischen David, der Gleichnisse versteht, ja in bezug auf seine Schuld gegenüber Urias, Bathsebas Mann, auch auf sich beziehen konnte, und dem eitlen Salomo mit den Worten zu erklären:

Selbst wenn ich ein Gleichnis erfände, welches zehnmal besser und ursprünglicher wäre als das von dem einzigen kleinen Schäflein, und es Salomo erzählte, so würde er mich doch zum Teufel schicken. Sein Vater, König David, war ein Dichter und besaß die Vorstellungskraft eines Dichters. So kam es, daß er sich in einer besonderen Beziehung zu GOtt sah: als den Erwählten des HErrn, und dennoch als GOttes Diener, der aufgerufen war, sich im Dienst der Sache zu verschleißen. König David konnte daher den armen Mann mit seinem einzigen kleinen Schäflein verstehen. Dieser aber?  Nathan spuckte aus  dieser ist nur ein Nachäffer, eitel, ohne Erleuchtung [Ö], seine Verbrechen Ergebnis seiner Furcht, nicht seiner Größe. [46]

Der reichhaltige Perspektivismus dieses Erzählens richtet sich sowohl gegen das David-Bild als Schlächter und Mörder wie gegen seine heroische Idealisierung und versucht, seine Verbrechen als Ausdruck seiner Grösse nicht zu entschuldigen, wohl aber zu verstehen, ohne sie zu billigen.

Auf eindrückliche Weise demonstriert eine Rede Davids seine Qualifikation als mitreissender Heerführer, der Text

ANSPRACHE KÖNIG DAVIDS AN SEIN VERSAMMELTES HEER IN VORBEREITUNG DES ANGRIFFS AUF DIE FESTE ZION; WIE SIE DER SITZUNG UNTERBREITET WORDEN VON BENAJA BEN JEHOJADA, UND AUCH VON IHM DEN MITGLIEDERN DER KOMMISSION VORGETRAGEN:

Also, ihr Söhne Israels sowie Judas, hört den Erwählten des HErrn. Unsere Priester haben männliche Schafe geschlachtet und auch das Orakel Urim und Tummim befragt; sie schwören mir, noch nie sei ein Tag günstiger gewesen, die Stadt der Jebusiter, Jerusholayim, zu erstürmen und sie den Heiden abzunehmen. Außerdem habe ich einen Traum geträumt, in welchem Jahweh, der HErr der Heerscharen, mir erschien und zu mir sprach: Siehe, ich habe Israel aus Ägypten herausgeführt, und bin vor ihnen hergezogen bei Tage in einer Wolkensäule und des Nachts in einer Feuersäule: so will ich dir und deinem Volke voranziehen, wenn sie vorgehen gegen die Wälle von Jerusholayim.

(Hurrarufe.)

Ah, meine Tapferen, deren Schwert Schrecken erregt im Herzen des Feindes: ich will, daß er euch ausgewählt hat, diesen Tag zu erleben. Denn ihr werdet beneidet werden ewiglich, weil ihr von allen Männern in Israel auserlesen wurdet, die Fest Zion zu stürmen und sie für den HErrn GOtt der Heerscharen zu erobern und für euren König David, und dadurch eure Namen unsterblich zu machen und nebenher große Beute zu gewinnen, jeder einzelne von euch.

(Laute Hurrarufe.)

Nun hat es da Stimmen gegeben, und ich habe ein gutes Ohr für Stimmen, die stellten die Frage: Warum eigentlich will David dieses Jerusholayim als seine Stadt? Es ist nur ein Haufen Steine, heiß im Sommer, kalt im Winter, und überhaupt unerfreulich. Aber in dem Traum, den zu erwähnen ich schon Gelegenheit hatte, sprach Jahweh des weiteren zu mir, und er sagte: David, du bist König von allen Kindern Israels; darum soll deine Stadt auch nicht in Juda sein, und nicht in Benjamin, und nicht in Manasse, und überhaupt nicht in einem der Stämme, sondern es soll deine eigne, Davids Stadt sein, und in der Mitte gelegen; und ich, der HErr, dein GOtt, werde persönlich kommen und in Jerusholayim wohnen, zum großen Nutzen ihrer Bürger und des ganzen Volkes Israel. Woraus ihr erseht, meine Löwenherzigen, daß Jahweh, der Herr der Heerscharen, große Pläne für die Rolle Jerusholayims in der Geschichte hat; uns obliegt nur, die Stadt einzunehmen.

(Hurrarufe.)

Auch ist gesagt worden, und ich habe ein sehr gutes Ohr für alles, was gesagt wird, die Feste Zion und die Mauern Jerusholayims seien derart uneinnehmbar, daß Lahme und Blinde sie verteidigen könnten. Dies ist aber nichts als ein Gerücht, verbreitet von den Feinden Davids. Denn in dem Traum, auf den ich wiederholt Bezug genommen habe, sprach Jahweh ferner zu mir, und sagte: David, da ist ein Durchgang durch den Fels, der führt von einer Quelle draußen vor der Stadt zu einer Zisterne innerhalb der Wälle, und wer durch diesen hinaufsteigt, wird im Rücken der Verteidiger heraufkommen und derart verrichten, was wohlgefällig ist im Auge des HErrn.

(Überraschung, Hurrarufe.)

Darum also, meine Unbesiegbaren, sage ich euch: GOtt tue mir dies und jenes, wenn die Stadt Jerusholayim nicht unser ist beim Anbruch der Nacht. Und wer als erster durch den Durchgang hinaufsteigt, und die Zisterne erreicht, und die Jebusiter schlägt samt ihren Lahmen und Blinden, der soll mein Oberster und Feldhauptmann sein. Trompeter, blas zum Angriff!

(Nicht enden wollende Hurrarufe. Die Posaune bläst zum Angriff.) [47]

Diese Rede ist nach allen Regeln rhetorischer Kunst gestaltet, mit einem Exordium, das Aufmerksamkeit und Wohlwollen der Zuhörer erringt, ihnen Gewissheit gibt, dass Gott und alle seine Zeichen dem gemeinsamen Vorhaben der Eroberung Jerusalems geneigt sind. Einwänden wird mit religiösen und politischen Argumenten begegnet, Zweifel am möglichen Gelingen des Unternehmens auf feindliche Propaganda zurückgeführt; das faktische Konzept aber, das den sicheren Sieg verspricht, hat Gott, wie David eindringlich verkündet, David selbst im Traum verraten, und so darf David die Seinen als die Unbesiegbaren bezeichnen und dem ersten, der diesen Siegerweg geht, die Würde des Feldherren versprechen. Die Vielfalt der Textsorten, der Prosa in direkter Rede, szenischen Prosa in Dialogen, der Reflexion verschiedener Personen, der Aktenstücke und Protokolle von Interviews, der Geschichten und Legenden von behördlich zugelassenen und nicht zugelassenen Erzählern verschiedener sozialer Schichten ermöglicht ein differenzierteres Bild, als es die journalistische wie die literaturwissenschaftliche Rezeption wahrgenommen hat. Dieser Perspektivismus prägt sich auch sehr deutlich in der Figur Ethans und in der Art und Weise seines Erzählens aus.

Ethan endet nicht als der selbstgerechte auktoriale Ich-Erzähler, der er zu Anfang war. Anfangs werden die Ergebnisse seiner Nachforschungen immer wieder in spätere Partien integriert. Der Leser weiss schliesslich, wie es wirklich gewesen ist. Gegen Schluss aber wird der Zusammenhang lockerer und damit die Leserlenkung. Das zweiundzwanzigste Kapitel beginnt gleich mit einer Fortsetzung der Aufzeichnungen des Ahitophel. Am Schluss sagt Ethan nur, dass ihm dabei so vieles klar geworden sei über David. Was, kann sich der Leser nun selbst ausdenken. Es spricht aber einiges dafür, dass er Ahitophels Urteil über Davids Sprache teilt: Dies ist die Sprache eines Menschen, der Niedriges tat für einen hohen Gedanken. [48] Ethan fühlt sich offensichtlich Ahitophel und seiner gescheiterten Unternehmung nahe, ohne dass dies klar und deutlich erläutert würde. Es verändert sich aber gegen Schluss nicht nur die zuvor straffere Fügungsart der Textsorten, sondern auch das Selbstverhältnis des Erzählers, der sich selbst reflektiert und erkennt,

wie sehr ich gefangen war in meiner Zeit und außerstande, ihre Begrenzungen zu durchbrechen. Der Mensch ist wie ein Stein in der Schleuder, und wird geworfen auf Ziele, die er nicht kennt. Was kann er mehr tun denn versuchen, daß seine Gedanken ihn um ein weniges überdauern, als Zeichen, als undeutliches, den kommenden Geschlechtern. [49]

Ethans Totenklage über Esther erinnert in ihrer echten Verzweiflung an den Ackermann aus Böhmen, und der Schluss, mit dem der Gescheiterte, zum Tod durch Verschweigen verurteilte Chronist die Szene verlässt, lässt vielleicht sogar, gegen die Intention Heyms, jede Art einer Reich-Gottes-Idee, eines marxistischen wie eines nicht-marxistischen Prinzips Hoffnung offen, wenn Ethan seinen Bericht beschliesst mit den Worten:

Als wir aber den Bach Kidron überquert und die Höhe am andern Ufer erklommen hatten, hielt ich an, um einen letzten Blick auf die Stadt Davids zu werfen. Und ich sah sie liegen auf ihren Hügeln, und ich wollte sie verfluchen; doch ich konnte es nicht, denn ein großer Glanz des HErrn lag über Jerusholayim im Lichte des Morgens. [50]

Nicht nur deshalb, aber auch deshalb ist dieser Text nicht nur ein historisches Dokument, sondern ein literarischer Text tieferer Bedeutung.

Wenn wir den Text Heyms mit anderen literarischen Texten der Geschichte wie der Gegenwart vergleichen, werden wir zwar grosse Unterschiede des Davidbildes feststellen, Heyms David Bericht aber bestimmt nicht auf eine zeitgenössische Aktualisierung reduzieren können.

Im Mittelalter erscheint David als Typus Christi, als Vorbild aller Christen und als Legitimationsmodell des durch Gott erwählten Herrschers. Da in katholischer Tradition Kaiser und Papst sich um die Rolle des Vicarius Christi stritten, brachte die Reformation insofern eine Intensivierung typologischer Analogie als der reformierte Fürst unbestritten geistliche und weltliche Hoheit in sich vereinigt. Die David-Allegoresen werden im 16. Jahrhundert freier entfaltet. In der deutschen Literatur schreibt vor allem Hans Sachs, Nürnberger Meistersinger und reformierter Laientheologe, zahlreiche Tragedien und Comedien über den David-Stoff, so zum Beispiel Comedia mit 10 personen, der David mit Batseba im ehbruch oder Tragedia mit 14 personen, die vervolgung könig David von dem könig Saul, Tragedia mit 9 personen zu agieren, Thamar, die tochter könig David, mit irem bruder Ammon und Absalom oder Tragedia könig Sauls, mit verfolgung könig Davids, gantz. [51] In letzterer nennt Hans Sachs König Saul ein klar fürbild / Aller weltkinder, toll und wild, David aber ist ein Figur / Aller christen, recht glaubig nur, / Sind durch den tauff gesalbet frumb / Zu eim königlichen priesterthumb. [52] Im 17. Jahrhundert schreibt Grimmelshausen seinen Simplicianischer Zweyköpffiger Ratio Status, über die Staatsräson gottesfürchtiger Herrscher und gottloser machiavellistischer Tyrannen (1670). [53] Grimmelshausen stellt David als guten, Saul, dem bösen Herrscher, gegenüber. Dennoch idealisiert er David nicht als Mann der Tugend. Er betont sogar und nennt ausführlich seine Vergehen:

Genugsam ists bekannt / daß dieser löbliche und heilige König kein Engel gewesen / der nicht sündigen können / sondern er war ein Mensch / der so wol als andere gebrechliche Menschen auch gesündigt hat; Als vornehmlich mit dem Ehebruch mit der Bathseba / Mit dem Todschlag ihres Manns Uriae, und mit dem / daß er wider das Göttliche Verbot das Volck Israel zehlen liese / dardurch er beydes ihm und seinem Reich / grosse Ungelegenheit und Land-Straffen über den Hals zog / dergleichen Saul niemal begangen / und doch verstossen worden! Wie gieng es aber zu / daß er gleichwol je und allwegen ein Mann nach dem Willen und Hertzen Gottes verblieben? Antwort; Sündigen ist Menschlich; darinnen verharren / ist Teufflisch; viel abscheulicher aber / wann der Gefallene sich noch unterstehet / durch seine Vernunfft und GOtt widerstrebende spitzfindige Staats-Griff der Machiauellisten / ihm selbst zu helfen; wie Saul gethan. [54]

Grimmelshausen betont das aufrichtige Gemüt, das Gottvertrauen Davids und meint, dass Davids Ratio Status die Zuflucht zu Gott gewesen sei und dass er deshalb des Sauls politischen Ratio Status überwunden hätte. [55] Im 18. Jahrhundert erscheint in der deutschen Literatur David vor allem als Dichter der Psalmen und damit als Vorbild der Dichtung Klopstocks und seiner zahlreichen Nachfolger. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und um 1900 herum fasziniert vor allem die erotische Dimension des Stoffes, das Bathseba-Motiv. Richard Beer-Hofmanns lebenslängliche, das ganze Werk des Wiener Dichters und späteren Emigranten prägende Beschäftigung mit dem David-Stoff ist Dokument des tragischen Scheiterns der Kultur des assimilierten Juden. Die geplante David-Trilogie konnte trotz immer wieder erneuerten Versuchen nie vollendet werden. Nur das Vorspiel Jaákobs Traum erlebte 1919 in Wien die Uraufführung. [56] Der erste Teil der geplanten Trilogie Der junge David konnte 1933 noch vollendet, aber in Wien nicht mehr aufgeführt werden. [57] Nach 1937 hat Beer-Hofmann am David-Stoff nicht mehr weiter gearbeitet. Er verliess Wien am 19. August 1939 und lebte bis 1945 im amerikanischen Exil. [58] Im Gegensatz zu Richard Beer-Hofmanns historisch-kultischen Weihespielen, die die David-Figur idealisieren, ist Heyms Text zwar eindeutig durch eine Tendenz der Entmythologisierung gekennzeichnet, doch bleibt bemerkenswert, wie sehr sein David-Bild sich dennoch manchen Aspekten neuerer alttestamentlicher Forschung nähert. Ebenfalls aber ist sein Text ein gelungener Versuch, historische Rekonstruktion und literarische Fiktion so zu verbinden, dass der Text nicht nur als historisches Dokument, sondern als literarischer Text gelesen werden kann, der jederzeit aktualisierbare Fragen stellt: Wie verhält sich historische Forschung zur Staatsgewalt? Ist christliche Politik und Herrschaft möglich oder ein Widerspruch in sich selbst? Deshalb ist der Text nicht nur ein historisches Dokument der Kulturpolitik der DDR, sondern auch eine parabolische Gestaltung der Konflikte zwischen wissenschaftlicher Historiographie und totalitärem Staat und schliesslich nicht zuletzt eine ergreifende Gestaltung der menschlichen und politischen Widersprüche der David-Figur und der mit ihr verbundenen Hoffnungen im Lichte des Morgens.

Anmerkungen



[1]     Reich-Ranicki 1972.

[2]     Böll 1972.

[3]     Heym 1990.

[4]     Jäger 1982, pp. 116f.

[5]     Jäger 1982, p. 136.

[6]     Diersch und Hartinger 1976.

[7]     Schädlich 1976, pp. 141-148.

[8]     Schädlich 1976, p. 143.

[9]     Schädlich 1976, p. 141.

[10]   Schädlich 1976, p. 146.

[11]   Hutchinson 1986.

[12]   Hutchinson 1986, p. 35. Andere wie zum Beispiel Roberts 1977 sehen eine Entsprechung David  Lenin und Salomon  Stalin. Zachau 1982 sieht als einzige Parallelen solche mit Stalin und Beria. Zachau meint, der Roman sei in erster Linie an den Problemen der DDR interessiert. (Zachau 1982, p. 81).

[13]   Heym 1998, p. 124.

[14]   Heym 1998, p. 48.

[15]   Hutchinson 1986, p. 134.

[16]   Hutchinson 1999, pp. 133-145.

[17]   Heym 1998, p. 67.

[18]   Heym 1998, pp. 135f.

[19]   Heym 1998, p. 136.

[20]   Heym 1998, p. 136.

[21]   Bohnert 1986, p. 191.

[22]   Bohnert 1986, p. 192.

[23]   Blumenstein 1995. Blumensteins Arbeit kritisiert begründet die Interpretation des David Berichts als Schlüsselroman oder DDR-Satire, vergleicht mit besonderer Differenziertheit die Frauenfiguren mit ihren biblischen Vorbildern und untersucht die Funktion, die sie im neuen Kontext bekommen. Sie kommt zu folgendem Schluss: Durch die Distanz, die Heym zwischen dem Leser, der Leserin und dem historischen Geschehen immer wieder schafft, wird der Blick auf Mechanismen im menschlichen Umgang gelenkt, die damals wie heute und in den dazwischen liegenden dreitausend Jahren gang und gäbe waren und sind.

[24]   Dietrich 1976, p. 60.

[25]   Siehe dazu Stolz 1981, pp. 11-21.

[26]   Dietrich 1976, p. 60.

[27]   Stolz 1981, p. 111 und Anmerkung 42: Spätere Zufügungen zum Ausgleich mit 1Sam 6,1-13.14-23.

[28]   Siehe Stolz 1981, p. 115, Schroer 1992, pp. 89f. und Nitsche 1994, p. 53.

[29]   Heym 1998, p. 92.

[30]   Heym 1998, p. 94.

[31]   Schroer 1992, p. 118.

[32]   Vgl. Stolz 1981, pp. 163f. Stolz schliesst den Abschnitt über die Redaktion der Parallelvorgänge 1Sam 24 und 26 mit den Sätzen ab: David wird ohne das geringste Fehlverhalten Sauls Nachfolger; dieser verwirkt das Königtum aus eigener Schuld. Letztlich aber steht Jahwe hinter diesem Geschehen.  Dass der Erzähler die historischen Vorgänge recht einseitig interpretiert, braucht nicht eigens nochmals herausgestellt zu werden.

[33]   Siehe Heym 1998, pp. 168ff.

[34]   Siehe Stolz 1981, p. 280.

[35]   Siehe Schroer 1992, p. 128f.

[36]   Dietrich 1976, p. 53.

[37]   Siehe dazu Veijola 1990, speziell das Kapitel: Theologische Erfahrungen ohne theologische Sprache, pp. 52f.

[38]   Heym 1998, p. 5.

[39]   Beltz 1990, p. 5.

[40]   Dietrich 1976, p. 56.

[41]   Heym 1988, p. 760.

[42]   Heym 1988, p. 760.

[43]   Heym 1998, p. 14.

[44]   Heym 1998, p. 36.

[45]   Heym 1998, p. 75.

[46]   Heym 1998, p. 264.

[47]   Heym 1998, p. 152.

[48]   Heym 1998, p. 225.

[49]   Heym 1998, p. 266.

[50]   Heym 1998, p. 281.

[51]   Keller 1876, pp. 319-341; 262-287; 342-364; ders. 1885, pp. 31-69.

[52]   Keller 1885, p. 67.

[53]   Grimmelshausen 1968.

[54]   Grimmelshausen 1968, p. 45.

[55]   Grimmelshausen 1968, p. 46.

[56]   Beer-Hofmann 1996, pp. 5-117.

[57]   Beer-Hofmann 1996, pp. 118-488.

[58]   Er hat seinen Nachlass der Harvard Universität übergeben. Die vollendeten Texte wie die Entwürfe und Materialien der geplanten Fortsetzungen sind von Norbert Otto Eke im fünften Band der grossen Richard-Beer-Hofmann-Ausgabe herausgegeben worden. Zur Struktur und Deutung der Texte siehe Neumann 1972.

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